Von Jacqueline Koch

Live-Dolmetschen, Synchrondolmetschen oder Simultanübersetzen – was denn nun?

Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, was genau der Unterschied zwischen Konsekutiv- und Simultandolmetschen ist? Und wie nennt man das eigentlich richtig: Simultanübersetzen oder Synchrondolmetschen? Uns begegnen immer wieder recht fantasievolle Bezeichnungen für unsere Tätigkeit, wie zum Beispiel:

  • Echtzeitdolmetschen, Real-time-Dolmetschen
  • Live-Übersetzen, Live-Dolmetschen
  • Gesprächsdolmetschen
  • Sprachübersetzen, mündliches Übersetzen
  • Kabinendolmetschen
  • Paralleldolmetschen, Parallelübersetzen
  • Simultanübersetzen
  • Stegreif-Übersetzen
  • Synchrondolmetschen, Synchronsprechen, Synchronübersetzen

Die Verwirrung ist groß, dabei ist es eigentlich ganz einfach: Die mündliche Übertragung von einer Sprache in die andere ist korrekterweise das Dolmetschen, während Übersetzen unter Fachleuten nur für die schriftliche Tätigkeit verwendet wird. Und wenn ich als Dolmetscherin gleichzeitig mit dem Redner spreche, dann ist das simultan, also Simultandolmetschen.

Was ist Simultandolmetschen?

Simultandolmetschen ist also das (fast) zeitgleiche mündliche Übertragen des Gesprochenen in eine andere Sprache während der oder die Vortragende spricht. Und wie kann das eigentlich sein, dass Dolmetscher*innen und die Vortragenden gleichzeitig reden? Können Dolmetscher*innen etwa Gedanken lesen? Nein, denn genau genommen gibt es eine leichte Zeitverzögerung – die sogenannte Décalage (französisch für Verschiebung) ­ bei der Verdolmetschung, und Simultandolmetscher*innen sind einfach sehr geübt darin, Satzstrukturen zu erkennen und dadurch vorherzusagen, wie ein Satz weitergeführt wird, dessen Anfang sie gehört haben.

 

Aber warum nennt man das nun nicht Synchron-, sondern Simultandolmetschen? Ist das nicht das gleiche? Nicht ganz, denn „Simultan“ bezieht sich nicht auf den zeitlichen Aspekt. Viel mehr verweist das Wort darauf, dass Dolmetscher*innen mehrere Aktivitäten zur gleichen Zeit ausführen: Hören, verstehen, übersetzen und sprechen. Wer sich noch erinnert, wie schwierig es früher in der Schule war, zu hören und zu verstehen, was die Lehrerin sagt, und gleichzeitig ein Gespräch mit einem Mitschüler zu führen, hat vielleicht eine Ahnung, was das bedeutet. Und im Gegensatz zu Schüler*innen können es sich Simultandolmetscher*innen nicht leisten, auch nur den Bruchteil einer Sekunde auszusteigen. Das erfordert eine enorme Konzentration. Deshalb arbeitet man beim Simultandolmetschen immer in Teams und wechselt sich alle 20 bis 30 Minuten ab.

Simultandolmetscher*innen sind sehr gefragt bei längeren Veranstaltungen oder Events, die auf mehr als zwei Sprachen stattfinden. Dabei arbeiten sie in Zweier- oder Dreierteams in schalldichten Kabinen, von wo aus sie die Redner ohne störende Nebengeräusche hören können. Über ein Mikrofon wird die Verdolmetschung dann live auf die Kopfhörer der Zuhörer übertragen.

Ist der Einsatz von Dolmetschkabinen nicht möglich, beispielsweise aus Platzgründen, bei Events im Freien oder bei mobilen Veranstaltungen wie Werksführungen und Betriebsbesichtigungen, kann auch mithilfe von Personenführungsanlagen gedolmetscht werden.

Der Unterschied zwischen Simultan- und Konsekutivdolmetschen

Während Dolmetscher*innen beim Simultandolmetschen das Gesagte fast zeitgleich in eine andere Sprache übertragen, geschieht eine konsekutive Verdolmetschung zeitversetzt. Das bedeutet, dass das Gesagte nach Ende eines Sinnabschnitts gedolmetscht wird. Redner*in und Dolmetscher*in sprechen also abwechselnd. Damit auch über längere Reden hinweg nichts verloren geht, nehmen Dolmetscher*innen eine spezielle Notizentechnik zu Hilfe.

Verwendung findet das Konsekutivdolmetschen bei kürzeren Veranstaltungen von bis zu 1 ½ Stunden, wie beispielsweise Pressekonferenzen oder Kurzvorträgen. Im Gegensatz zum Simultandolmetschen wird hier eine technische Ausrüstung meist nicht benötigt. Konsekutive Verdolmetschungen lassen sich mithilfe neuer Medien aber auch aus der Ferne umsetzen. Beim Ferndolmetschen (Remote Interpreting) werden Telefonkonferenzen und Videocalls über Software wie Zoom und Microsoft Teams konsekutiv gedolmetscht. Die Verwendung von Dolmetschstudios, sogenannten Hubs, ermöglicht sogar simultanes Dolmetschen online via Streaming.

Im Dialog kann auch das Gesprächs- oder Verhandlungsdolmetschen zur Anwendung kommen. Im Gegensatz zum Konsekutivdolmetschen wird dabei satzweise in beide Sprachrichtungen (also beispielsweise vom Französischen ins Englische und dann wieder vom Englischen ins Französische) gedolmetscht. Gesprächsdolmetschen wird auch von Sprachmittlern angeboten, die nicht notwendigerweise ausgebildete Konferenzdolmetscher sind.

 

Ob konsekutiv oder simultan – Peschel Communications findet die richtige Dolmetschart für Ihre Veranstaltung und Location. Gerne beraten wir Sie in einem persönlichen Gespräch, welche Form des Dolmetschens für Ihre Veranstaltung optimal ist. Kontaktieren Sie uns auch bei Fragen zur Organisation von mehrsprachigen Teams, der Bereitstellung von Dolmetschtechnik und möglichen Sprachkombinationen.