Gastbeitrag von Kiehlor Mack, Adaptation von Ellen Göppl

Playing foosball in the hinterland – Warum deutsche Wörter für englische Muttersprachler nicht immer fremd klingen

 

Wir alle wissen, dass englische Wörter im deutschen Sprachgebrauch weit verbreitet sind. Aber es gibt auch gar nicht so wenige Beispiele für den umgekehrten Fall. (Nicht nur) Übersetzer und Dolmetscher, die sich in beiden Sprachräumen bewegen, sollten deshalb auf typische Stolperfallen beim Gebrauch von Lehnwörtern achten. Apropos „Lehnwort“: Dies ist gleich ein Beispiel für sich selbst, denn von diesem Wort leitet sich die englische Entsprechung „loanword“ ab.

Ist die Bedeutung des Lehnworts in der Zielsprache dieselbe wie in der Ausgangssprache – umso besser! Vielleicht kann ich dann als Übersetzer*in einfach das deutsche Wort stehenlassen, wie etwa im Fall von „Bildungsroman“ (im Englischen klein geschrieben). Hat das Wort in der Zielsprache jedoch eine neue oder enger begrenzte Bedeutung oder zumindest eine andere Konnotation als in der Ausgangssprache, funktioniert das nicht. Ein Beispiel dafür ist „Gesundheit“, was in den USA teilweise „gewünscht“ wird, wenn jemand genießt hat. In anderen Fällen muss es natürlich mit „health“ ins Englische übersetzt werden.

Unter den deutschen Lehnwörtern in den USA oder Großbritannien finden sich viele bekannte Klassiker wie bratwurst, sauerkraut, lederhosen, autobahn, glockenspiel, kaput and kindergarten, um nur einige zu nennen.

Laut Cannon & Pfeffer fanden vor allem zwischen den 1750er und den 1950er Jahren deutsche Wörter Einzug in die englische Sprache. Besonders viele deutsche Lehnwörter, d. h. durchschnittlich 35 pro Jahr, kamen zwischen 1850 und 1900 hinzu. Englische Muttersprachler werden also auch ohne Deutsch gelernt zu haben einige Wörter und typische Laute der deutschen Sprache kennen, auch wenn sie teilweise natürlich etwas ausgesprochen werden.

Alltägliche Begriffe

Schauen wir uns einige deutsche „Kuckuckskinder“ in der englischen Sprache einmal genauer an. Es sind gar nicht so wenige, die in alltäglichen Gesprächen oder allgemeinsprachlichen Texten Verwendung finden. Links in der Tabelle steht jeweils das im angelsächsischen Sprachraum gebräuchliche Wort, in der zweiten Spalte die Umschreibung von dessen Bedeutung im Englischen [1].

über-Präfix zur Unterstreichung des starken Ausmaßes
ersatzein minderwertiger Ersatz
blitzein schnelles, plötzliches Manöver (z. B. beim American Football, aber auch eine intensive Werbekampagne)
spielVersuch, jemanden von etwas zu überzeugen (oft vorformuliert), also eine Art Verkaufsmasche
hinterland/hinterlandsländliches, abgelegenes Gebiet
kohlrabiKohlrabi wie im Deutschen
ur-Präfix, das auf etwas in einer sehr frühen Phase hinweist
foosballentspricht dem Deutschen
spritzetwas leicht oder schnell besprühen
angsteher neurotisch geprägte Angst oder Grübelei, oft mit launischen Teenagern assoziiert
wanderlustdie Sehnsucht zu reisen, also im Deutschen am ehesten „Fernweh“
doppelgängerDoppelgänger (oder Ebenbild) wie im Deutschen
verbotennicht erlaubt oder auch tabu

Für uns als Sprachmittler ist es gut zu wissen, dass die oben genannten Bezeichnungen nicht immer einfach vom Deutschen ins Englische – oder umgekehrt – übernommen werden können. Interessant ist z. B., dass „ersatz“ im Englischen immer die Konnotation von etwas Minderwertigem hat, während das Wort im Deutschen im Allgemeinen ja völlig neutral gebraucht wird. Auch bei „Angst“ oder „verboten“ ist die Bedeutung offensichtlich etwas verschoben

Eine Besonderheit stellt das im Englischen für unseren „Tischfußball“ verwendete „foosball“ dar, dessen Schreibweise für deutsche Muttersprachler etwas seltsam anmutet. Es wird offensichtlich so geschrieben, wie englische Muttersprachler „Fußball“ buchstabieren würden. Der Aspekt des Tischs fiel allerdings „unter den Tisch“, als das Wort 1966 in die englische Sprache übernommen wurde.

Abschließend lässt sich sagen, dass Übersetzer und Dolmetscher sich mit Lehnwörtern in ihren Arbeitssprachen bestens auskennen müssen, um in keine Falle zu tappen, wenn diese übernommenen Begriffe zu sogenannten falschen Freunden geworden sind.


Quellen und Literaturtipps

Online-Wörterbücher

https://www.merriam-webster.com/

https://www.collinsdictionary.com/us/dictionary/english

https://www.duden.de/

https://www.etymonline.com/

Bücher

Cannon, G. H., & Pfeffer, A. (1994). German loanwords in English: An historical dictionary. Cambridge University Press.

Durkin, P. (2014). Borrowed words: A history of loanwords in English. Oxford University Press.

Ehlert, C. (2013). Das Wandern ist des Wortes Lust: Germanismen im britischen Englisch: German Loanwords in British English. tredition.

Limbach, J. (Ed.). (2007). Ausgewanderte Wörter. Hueber Verlag.


[1] Die aus dem Englischen übersetzten Definitionen stammen in der Regel aus dem Merriam Webster (über merriam-webster.com), Oxford University Press (über lexico.com), dem Random House Unabridged Dictionary (über dictionary.com) oder dem Collins online Unabridged English Dictionary (über collinsdictionary.com).