Gastbeitrag von Kiehlor Mack, Adaptation von Ellen Göppl

“Fahrvergnügen” sounds echt German! … noch mehr deutsche Wörter, die im Englischen verwendet werden

Vor zwei Wochen ging es an dieser Stelle um deutsche Wörter, die in der englischen Alltagssprache Einzug gehalten haben. In diesem Blogartikel soll es nun um speziellere Entlehnungen gehen: Etwa im wissenschaftlichen Kontext, aber auch in der Werbesprache, in der die Schöpfung neuer, kreativer Bezeichnungen ja fast schon ein „Muss“ ist.

Technischer, wissenschaftlicher, musikalischer oder geschichtlicher Kontext

Schauen wir uns zunächst typische, aus der deutschen Sprache importierte Wörter an, die vor allem in Wissenschaft und Technik oder anderen Spezialgebieten Einzug gehalten haben. Hier wurde und wird die englische Sprache deutlicher als in anderen Bereichen vom Deutschen beeinflusst. Im Werk von Cannon und Pfeffer (siehe Literaturliste unten) stammt beispielsweise fast ein Drittel der deutschen Lehnwörter aus dem Gebiet der Mineralogie oder Chemie. Einige Beispiele sind in der folgenden Tabelle aufgeführt.

Aus dem Deutschen stammende BezeichnungBedeutung
gneissGesteinsart (Gneis)
loessgeologisches Sediment (Löss)
echtauthentisch, echt
feldsparMineralgruppe (Feldspat)
fusel oilNebenprodukt der alkoholischen Gärung (Fuselöl)
gedankenexperimentwie im Deutschen
graupelwie im Deutschen
ansatznur in der Mathematik verwendet, dann gleiche Bedeutung wie im Deutschen
Sehnsuchtwie im Deutschen
realpolitikwie im Deutschen
rinderpestwie im Deutschen
zeitgeberäußerer Einfluss in der Chronobiologie, wie im Deutschen

Bezeichnungen für Nahrungsmittel und Traditionen

Auch wenn es um Lebensmittel oder typisch deutsche Traditionen geht, werden Wörter gerne direkt aus dem Deutschen übernommen. Wahrscheinlich wundern Sie sich auch nicht besonders, wenn Sie in englischen Texten über die Nennung von (Wiener) schnitzel, strudel, biergartens oder schnapps stolpern. Und natürlich wird das weltberühmte Wort „Oktoberfest“ nicht übersetzt. Was deutsche Muttersprachler in englischsprachigen Wörterbüchern vielleicht schon eher überrascht, sind Begriffe wie Tannenbaum, bierstube und brötchen. Und die Liste könnte lang (und Sie hungrig) werden, wenn Sie z. B. in den Merriam Webster schauen: lebkuchen, leberwurst, pfeffernuss, pfefferkuchen, stollen …

Jiddische Wörter

In der englischen Sprache sind zahlreiche jiddische Wörter im Umlauf, die von englischen Muttersprachlern manchmal für deutsche Lehnwörter gehalten werden. Zu den bekannteren zählen z. B. mensch (und menschy), schlep (oder schlepp), schmaltz (und schmaltzy), dreck und schmutz. Zu den weniger verbreiteten gehören verklempt und luftmensch.

In einem englischen Wikipedia-Artikel findet sich dieser Hinweis (freie Übersetzung ins Deutsche):

Da Jiddisch mit der modernen deutschen Sprache eng verwandt ist, haben viele jiddische Wörter deutsche Kognaten, d. h. beide haben sich aus demselben Ursprungswort entwickelt; in manchen Fällen ist es schwer zu sagen, ob ein bestimmtes im Englischen gebräuchliche Wort aus dem Jiddischen oder dem Deutschen entlehnt wurde.“ [1]

Werbesprache

Zum Schluss wollen wir noch ein paar Formulierungen in der Werbung betrachten. In der deutschen Werbesprache werden regelmäßig englische Wörter oder Sprüche eingesetzt, da sie im Allgemeinen mit Coolness, „In-Sein“ oder Jugendlichkeit verknüpft werden. Aber kommen deutsche Ausdrücke umgekehrt auch in der Werbung für englischsprachige Zielmärkte vor? Und wenn ja, haben sie für englische Muttersprachler auch das gewisse „coole“ Extra?

Die erste Frage kann man klar mit Ja beantworten, auch wenn es sich um ein eher seltenes Phänomen handelt. Eins der berühmtesten Beispiele für deutsche Ausdrücke in einer amerikanischen Werbekampagne war vermutlich die Erwähnung von „Fahrvergnügen” in einer 1989 initiierten VW-Werbung.[2] Im Rahmen der Kampagne verwendete das Unternehmen den Slogan “Fahrvergnügen. It’s What Makes a Car a Volkswagen.” In den 2000er und 2012er Jahren griff VW wieder auf eine deutsche Formulierung zurück und bezeichnete sich in den USA als „Das Auto“.

Einen weiteren Trend in der amerikanischen Werbesprache beschrieb Felix Kronenberg 2007 in seiner Doktorarbeit: den Einsatz der Bezeichnung wunderbar oder anderer Wortschöpfungen mit wunder.

Die am häufigsten in der Werbung in den USA vorkommenden Wortbestandteile leiten sich vom Deutschen „wunderbar“ ab, außerdem kommt auch das ganze Wort öfters vor. Das liegt natürlich auch daran, dass das englische Wort „wonder“ sich nur in einem Buchstaben davon unterscheidet. „Wunder“ und „wunderbar“ werden von Englisch-Muttersprachlern also leicht erkannt, sie fallen auf, ohne allzu fremd zu klingen. Also kein Wunder, dass sie in der Werbung so beliebt sind! (Kronenberg, S. 149)

Sowohl Lufthansa als auch die Deutsche Zentrale für Tourismus erklärte ausländischen Gästen 1980: „Germany is wunderbar.“

Die zweite Frage – ob die deutsche Sprache einen „coolen“ Aspekt besitzt – ist schwieriger zu beantworten. Kronenberg schreibt dazu: „Die Verwendung fremdsprachiger Wörter in der Werbung hat mehrere Vorteile. Sie ist mit internationalem Prestige assoziiert und betont die Besonderheit des Herkunftslands durch die Wahl als „typisch deutsch“ angesehener Begriffe. Ferner zitiert der Autor aus einem Werk von Mary Ellen Ryder und Kollegen, die der Argumentation folgen, dass sowohl die deutsche als auch die japanische Sprache aufgrund ihrer „modernen Konnotation“ einen bestimmten Effekt auf Verbraucher haben können:

„… Deutsch oder Japanisch werden eingesetzt, um die Idee der wissenschaftlichen Exzellenz oder Ingenieurskunst zu transportieren. So zum Beispiel in einer Mazda-Kampagne, die Kansei-Technik verspricht, oder die Bewerbung des „Fahrvergnügens“ durch VW.“

Damit schließt sich der Kreis zu den technischen Begriffen am Anfang des Artikels. Die deutsche Ingenieurskunst scheint am ehesten als überzeugend – oder eben auch cool – in der Werbung zu wirken. Auch wenn man dafür im Deutschen natürlich lieber eine englische Formulierung wählt: “Quality made in Germany.”


Quellen und Literaturtipps

[1] Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_English_words_of_Yiddish_origin

[2] Quelle: https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Volkswagen_advertising&oldid=962443622

 

Online-Wörterbücher

https://www.merriam-webster.com/

https://www.collinsdictionary.com/us/dictionary/english

https://www.duden.de/

https://www.etymonline.com/

Bücher

Cannon, G. H., & Pfeffer, A. (1994). German loanwords in English: An historical dictionary. Cambridge University Press.

Durkin, P. (2014). Borrowed words: A history of loanwords in English. Oxford University Press.

Ehlert, C. (2013). Das Wandern ist des Wortes Lust: Germanismen im britischen Englisch: German Loanwords in British English. tredition.

Kronenberg, F. A. (2007). From trade cards to the internet: depiction of Germans and Germany in American advertising [Doktorarbeit, Universität Regensburg]. https://epub.uni-regensburg.de/10696/1/dissertation_felix_kronenberg.pdf

Limbach, J. (Ed.). (2007). Ausgewanderte Wörter. Hueber Verlag.