Gastbeitrag von Pia Klenk

Die terminologische Seite des Übersetzens – ein Praktikumsbericht

„Übersetzen? Ich wusste gar nicht, dass es dafür extra einen Studiengang gibt. Und was genau übersetzt man da so?“, wurde ich von anderen Mitfahrern auf dem Weg zwischen Freiburg und meiner Heimatstadt Nagold des Öfteren gefragt.
Und ja, Übersetzen kann man tatsächlich studieren – genau das habe ich für drei Jahre an der Hochschule Magdeburg-Stendal getan.

Wie mich mein Weg von Magdeburg nach Freiburg in das Übersetzungsbüro Peschel Communications führte

Da ich meine Abschlussarbeit gerne im Bereich Terminologie und im Rahmen eines Praktikums schreiben wollte, habe ich mich auf die Suche nach einem Übersetzungsbüro gemacht, das mit mir gemeinsam dieses Projekt in Angriff nimmt. Zu meiner Freude bin ich bei Peschel Communications sofort auf offene Ohren gestoßen und sie boten mir an, neben dem üblichen Praktikum im Übersetzungsbereich auch ein Terminologie-Projekt zum Thema Speichertechnologie zu bearbeiten. Begeistert sagte ich zu.

Der erste Tag bei Peschel Communications

Ich kann mich heute noch genau daran erinnern, wie aufgeregt ich am Morgen des ersten Arbeitstages war. Da ich im Studium zwar Wissen erworben hatte, mir die Arbeitserfahrung jedoch fehlte, stellten sich mir einige Fragen: Wie sieht der Alltag im Übersetzungsbüro aus? Kann ich das im Studium erworbene Wissen überhaupt in die Praxis umsetzen? Was kommt da wohl auf mich zu?

Auf mich kamen erst einmal Informationen zu, und das ganz schön viele. In der ersten Woche gab es wohl keinen Tag, an dem ich nicht mit rauchendem Kopf nach Hause gegangen und todmüde ins Bett gefallen bin. Doch mit der Zeit kam die Routine und dann hat sich die Erschöpfung auch schnell gelegt.

„Und was übersetzt man da so?“

Am Anfang habe ich kleine Übersetzungen aus dem juristischen Bereich übernommen. Dazu gehörten beispielsweise Urkunden, Bescheinigungen oder Zeugnisse. Da diese meist nur in Papierformat vorhanden sind, müssen sie vor der Übersetzung zuerst in Microsoft Word vorbereitet werden. Und das war schon der erste Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass das Studium in keiner Weise mit dem realen Übersetzeralltag zu vergleichen ist. Mehr als einmal habe ich meinem Übersetzungslehrer im Stillen dafür gedankt, dass er uns während des Studiums die Dokumente für den Unterricht fertig formatiert zur Verfügung gestellt hat.
Ich kann nicht leugnen, dass es einiges an Nerven gekostet hat, wenn beispielsweise das Layout im Original sehr aufwendig war oder aber die Technik nicht so richtig mitgespielt hat, wie man das gerne wollte. Aber auch hier hat die Übung die ganze Sache definitiv einfacher gemacht!
Im Laufe der Wochen kamen dann auch Texte mit mehr Fließtext, wie etwa Pressemitteilungen hinzu. Dabei musste ich mich jedes Mal aufs Neue in komplett unterschiedliche Themengebiete einarbeiten. Und genau das ist es, was den Übersetzerberuf für mich so aufregend macht. Kein Text gleicht dem anderen und man hat jeden Tag die Chance, seinen Horizont zu erweitern. Ich glaube, ich bin während meines Praktikums mit so vielen Themen wie noch nie zuvor in meinem Leben in Berührung gekommen.
Eines meiner Highlights war die Übersetzung im Bereich Marketing für ein Kosmetikprodukt, bei der sprachliche Mittel ganz abseits der Fachsprache gewählt werden mussten. Da ich mit dieser Textsorte im Studium noch nie zu tun hatte, war dieses „kreative Austoben“ eine vollkommen neue und spannende Erfahrung.

Der andere Teil meines Praktikums bestand, wie bereits erwähnt, aus einem Terminologie-Projekt zur Speichertechnologie, das es mir ermöglicht hat, nicht nur die sprachliche, sondern auch die terminologische Seite des Übersetzens kennenzulernen. Da immer mehr Übersetzungen im Bereich der erneuerbaren Energien und Speichertechnologien angefertigt werden, war es im Rahmen des Projekts meine Aufgabe, ein Glossar zu diesem Themenbereich in den Sprachen Deutsch-Englisch zu erstellen. Die recherchierten Fachbegriffe habe ich in einer Excel-Datei gemäß dem firmeninternen Terminologie-Leitfaden, der im nachfolgenden Schritt auch einen Import der Datei in die Translation-Memory-Software memoQ ermöglicht, vorbereitet. Das Resultat meiner mehrmonatigen Arbeit ist letztendlich ein Glossar mit 200 Fachbegriffen, das sowohl als PDF als auch in Form einer Termdatenbank für künftige Übersetzungen zur Verfügung steht.

Das Praktikum – ein einziger großer Lernprozess

Für mich war das Praktikum ein einziger großer und wichtiger Lernprozess. Es verging kein Tag, an dem ich mein im Studium erlangtes Grundwissen nicht erweitern konnte. Am meisten dabei geholfen hat mir das wertvolle Feedback meiner Kolleginnen und Kollegen, die sich nach jeder von mir angefertigten Übersetzung Zeit genommen haben, diese mit mir durchzusprechen. Durch die konstruktive Kritik wurden mir meine Stärken und Schwächen aufgezeigt, sodass ich kontinuierlich an meinen Übersetzungen und meinem Schreibstil arbeiten konnte. Zudem konnte ich mir bei Fragen oder Problemen immer sicher sein, dass mir geholfen wird.
Die Arbeit im Büro hat mir aber auch deshalb so viel Spaß gemacht, weil ich von Anfang an offen und herzlich in das Team aufgenommen wurde. Die Arbeitsatmosphäre war mehr als angenehm und selbst an stressigen Tagen gab es immer etwas zu lachen. Dankeschön für die tolle Zeit!