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Praktikum im Übersetzungsbüro

02
Sep., 2026
Anja Peschel

Kim Klinger über ihr Auslandspraktikum

Wie ein Praktikum bei uns aussehen kann – und warum das Praktikum für sie als deutsche MutterspracWie sieht ein Praktikum in einem Übersetzungsbüro aus? Kim Klinger studiert angewandte Sprachwissenschaften in Mulhouse und absolviert ihr Pflichtpraktikum bei Peschel Communications. Im Interview berichtet sie, warum Deutschland für sie trotz deutscher Muttersprache ein Auslandspraktikum bedeutet, welche Aufgaben sie übernimmt und was sie dabei über Fachübersetzungen, Datenschutz und künstliche Intelligenz lernt.hlerin ein Auslandspraktikum ist: Darüber haben wir mit unserer Praktikantin Kim Klinger gesprochen

Kim, wie kam es dazu, dass du dich für ein Praktikum bei Peschel Communications beworben hast?

Ich studiere angewandte Sprachwissenschaften, also die Übersetzung wissenschaftlicher und technischer Texte, in Mulhouse in Frankreich. Dort ist ein Pflichtpraktikum vorgesehen, und das wollte ich gerne in einem Land absolvieren, in dem meine Muttersprache gesprochen wird.

Warum war dir das wichtig? Viele gehen für ein Praktikum ja gerade in ein Land, in dem sie eine Fremdsprache verbessern können.

Meine Zweitsprache – das Französische – praktiziere ich ja schon sehr viel in Mulhouse, aber auch in meinem Heimatort im Elsass. Ich bin zweisprachig aufgewachsen; Deutsch sprechen wir zuhause. Viele denken, dass das die perfekte Voraussetzung für ein Übersetzer- oder Dolmetscherstudium ist. Aber mir war schon bewusst, dass es zum Übersetzen mehr braucht als sehr gute Kenntnisse in zwei Sprachen. Und dass ich mein Deutsch auch im beruflichen Alltag praktizieren sollte.

In wieweit bestätigt dich das Praktikum in dieser Meinung?

Im Studium habe ich bereits gelernt, dass Übersetzen mehr ist als einen Ausgangstext in einer Zielsprache wiederzugeben, und dass man sich in den Fachbereichen, in denen man übersetzt, sehr gut auskennen muss. In der Praxis wird das aber nochmal viel deutlicher, z.B. wenn bei Marketingtexten auch kulturelle und rechtliche Unterschiede auf dem Zielmarkt beachtet werden müssen. 

Hast du ein Beispiel dafür?

Man kann z. B. in den USA sein Produkt als „das beste auf dem Markt“ bezeichnen, was in Frankreich oder Deutschland nicht nur schlecht angesehen, sondern sogar verboten ist. Zudem gibt es nicht immer eine perfekte Übersetzung für einen Begriff. Was macht man dann? Ein Äquivalent suchen oder eine Erklärung hinzufügen? Ein guter Übersetzer muss wissen, wann welche Lösung angebracht ist.

Du arbeitest im Rahmen deines Praktikums auch an der Übersetzung von Urkunden und Zeugnissen mit. Was fällt dir da besonders auf?

Mir wird durch die „echten“ Aufträge nochmal sehr bewusst, wie wichtig Datenschutz ist. Ich wurde gleich am ersten Tag meines Praktikums sehr umfassend darin geschult, denn die Einhaltung der DSGVO wird bei Peschel Communications streng überwacht. Wenn man sich klar macht, dass diese Urkunden nicht nur ein Stück Papier sind, sondern persönliche Dokumente der Kund*innen, wird das sehr nachvollziehbar. An der Uni ist Datenschutz beim Übersetzen ja erstmal nur Theorie.

Welche inhaltlichen Herausforderungen bedeutet das Urkundenübersetzen für dich?

Der Text auf solchen Rechtsdokumenten ist hauptsächlich juristisch, da muss man sich auch mit den entsprechenden Formulierungen in der Zielsprache auskennen. Ich bin froh, dass jede Übersetzung von mir bei Peschel von einer erfahrenen Kollegin geprüft wird! Häufig enthalten diese Texte auch viele landesspezifische Abkürzungen, und man muss viel recherchieren. Wie viel Arbeit und Mühe im Berufsalltag dahintersteckt, war mir vorher nicht unbedingt klar.

Was hast du zum Thema KI bisher gelernt?

Einfache Texte und simple Sätze können vielleicht mit online-Tools übersetzt werden, das gilt allerdings nicht für kompliziertere Texte. Ein Beispiel wäre ein wissenschaftlicher Artikel über das Einsetzen von Stents in die Herzkranzgefäße. Oder ein juristischer Text, welcher Anmerkungen eines Übersetzers braucht, um Missverständnisse zu vermeiden. Wenn eine Maschine in diesen Fällen Fehler macht, kann das schlimme Folgen haben. Der Datenschutz bei diesen online-Tools und KI-Bots ist auch nicht garantiert, schon gar nicht in der Gratis-Version. Gute Übersetzer*innen wissen hingegen, wie man mit vertraulichen Daten umgeht.

Was nimmst du aus dem Praktikum mit für die Zukunft?

Ich denke, dass man sich als Übersetzer auf ein oder mehrere Fachgebiete spezialisieren sollte, um sich auch durch das fachliche Verständnis von der Maschine abzuheben. Die KI „versteht“ ja nichts, sondern berechnet ihren Output nur anhand von Wahrscheinlichkeiten. Als Übersetzerin brauche ich also Fachkenntnisse über das Thema, muss wissen, wie und wo man gut recherchiert – und natürlich muss ich die richtige Terminologie kennen. Zwei oder drei Sprachen zu können, reicht aus, um sich mit anderen zu unterhalten, aber nicht, um komplexe Texte korrekt zu übersetzen.

Vielen Dank für das Gespräch, Kim – und alles Gute für deinen Weg in der Übersetzungsbranche!

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