Von Anja Peschel und Ellen Göppl

Ein Interview mit Ellen Göppl

„Wenn man mir 2000 gesagt hätte, dass ich so lange bleibe, wäre ich wahrscheinlich vom Stuhl gefallen“

Am 15. Januar 2000 nahm Ellen Göppl ihre Arbeit bei Peschel Communications auf. Grund genug, ihr ein paar Fragen zu stellen.

20 Jahre beim gleichen Unternehmen zu arbeiten ist etwas, was immer seltener vorkommt. Hättest Du Dir am 15.1.2000 vorgestellt, dass Du 20 Jahre später noch für das gleiche Unternehmen arbeitest?

Nein, tatsächlich nicht – ich war damals 26 und hatte keinen besonders langen Planungshorizont. Wenn man mir 2000 gesagt hätte, dass ich so lange bleibe, wäre ich wahrscheinlich vom Stuhl gefallen – heute bin ich stolz darauf, weil es ja inzwischen eher ungewöhnlich ist, so lange mit derselben Stelle glücklich zu sein.

Wie hat sich Dein Arbeitsalltag in den letzten 20 Jahren verändert?

Wir haben mit heute 10 festen Mitarbeiter*innen natürlich eine größere Arbeitsteilung als früher. In meinen ersten Jahren habe ich vom Projektmanagement inklusive Angebots- und Rechnungserstellung übers Übersetzen bis zur Revision alles gemacht. Außerdem auch Marketing, Privatkundenbetreuung und sogar Buchführung! Ich bin schon froh, nicht mehr alles machen zu müssen, auch wenn es manchmal ein komisches Gefühl ist, dass ich gar nicht mehr so leicht als Projektmanagerin einspringen kann wie früher – es ist einfach zu spezialisiert inzwischen. Insgesamt sind wir, wie die Übersetzungsbranche im Allgemeinen, im Gegensatz zu vor 20 Jahren deutlich technologisierter.

Wünschst Du Dir manchmal die alten Zeiten zurück?

Die ersten Jahre möchte ich sicher nicht missen. Damals hatten wir noch eine Büro-Gemeinschaft mit einem kleinen Verlag. Anja und ich saßen uns direkt gegenüber, weswegen wir ab und an mal unsere Teetassen verwechselt haben. Und beim Übersetzen haben wir tatsächlich einfach den Ausgangstext in Word überschrieben. Vormittags haben wir in unserer kleinen Runde immer eine gemeinsame Pause mit Nussschnecken oder ähnlichem eingelegt. Aber dass das Team gewachsen ist, möchte ich nicht rückgängig machen, schließlich saß ich früher z. B. in den Urlaubszeiten auch manchmal ganz alleine im Büro. Auch ohne die neuen Tools möchte ich heute nicht mehr arbeiten. Es erleichtert insbesondere die Terminologie-Arbeit bzw. deren Konsistenz ungemein.

Was ist das schönste Kompliment von einem Kunden, an das Du Dich erinnern kannst?

Als ein Kunde von meiner Übersetzung im Bereich klinische Studien so beeindruckt war, dass er fragte, ob ich studierte Medizinerin sei. Außerdem habe ich nach dem Dolmetschen von Trauungen öfters sehr nette Komplimente für meine Arbeit bekommen, da macht sich dann auch die euphorische Stimmung bemerkbar.

Würde es Dich reizen, mal ganz woanders zu arbeiten, z.B. für einen multinationalen Großkonzern?

Einerseits stelle ich mir die Arbeit in einem internationalen Konzern wirklich reizvoll vor – viele Kolleg*innen aus ganz verschiedenen Ländern, vielleicht auch die Möglichkeit, für begrenzte Zeit für denselben Arbeitgeber in ein anderes Land zu gehen. Aber ich bin andererseits so an die „kurzen Wege“, meine Gestaltungsmöglichkeiten und die Flexibilität in unserem vergleichsweise kleinen Unternehmen gewöhnt, dass ich eher nicht tauschen will.

Welche Texte übersetzt du am liebsten?

Ich bearbeite ganz besonders gerne Werbetexte über dekorative Kosmetik, bei denen meiner Kreativität kaum Grenzen gesetzt sind. Dafür brauchen wir natürlich den passenden Kunden, der auf meinen Stil vertraut (und ja, wir haben einen!). Zur Abwechslung dann vielleicht wieder was Medizinisches, bei dem ich sehr genau sein muss.

Welche drei Berufe könntest Du Dir vorstellen, wenn Du keine Übersetzerin wärst?

Außer Pharmazeutin oder Biochemikerin auf jeden Fall Schriftstellerin, was ich momentan als Hobby auslebe. Ein anderer Beruf, den ich mir spannend vorstelle, ist Hacking. Viele assoziieren das mit etwas Kriminellem, aber Hacker helfen auch ganz legal Firmen und Behörden, Schwachstellen im IT-System aufzuspüren und so die Datensicherheit zu verbessern.

Welche Sprache würdest du gerne noch lernen?

Unter anderem Rätoromanisch. Das habe ich als Kind oft im Engadin gehört und einiges nachgeplappert. Ich würde es gerne systematischer lernen, hatte bisher aber nie Zeit dafür – sich in drei Fremdsprachen fit zu halten, ist ja auch schon ziemlich zeitaufwändig. Vielleicht bräuchte ich mal einen Sprachurlaub in einem abgelegenen Bündner Bergdorf.

Auf welchen Tag in Deinem zukünftigen Arbeitsleben freust Du Dich besonders?

Momentan auf den Tag, an dem wir noch in diesem Jahr – so hoffe ich doch – die ISO 9001 Zertifizierung erhalten werden. Die Vorbereitungen werden sicherlich anspruchsvoll, aber genau wie bei großen Übersetzungsprojekten macht auch hier der Qualitätsanspruch natürlich auch den Reiz an der Arbeit aus.